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Medizinisches Cannabis: Wirkung, Anwendung & Funktion

  • Autorenbild: Ezra Judanin
    Ezra Judanin
  • 15. Dez. 2025
  • 13 Min. Lesezeit

Du sitzt beim Arzt. Wieder mal. Die Schmerzen sind immer noch da. Die Tabletten helfen kaum noch, oder die Nebenwirkungen werden schlimmer als das Problem selbst. Oder vielleicht hast du ADHS und die Medikamente machen dich zwar konzentrierter, aber gleichzeitig so nervös, dass du kaum noch schlafen kannst.


Und dann erwähnt jemand Cannabis. Medizinisches Cannabis. Eine Therapie, von der du vielleicht schon gehört hast.


Vielleicht bist du skeptisch. Vielleicht denkst du: "Ist das nicht nur was für Kiffer?" Oder: "Kann das wirklich helfen?"


Die Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein. Aber was stimmt: Seit 2017 können Ärzte in Deutschland Cannabis als Medikament verschreiben. Und für viele Patienten hat das tatsächlich etwas verändert. Nicht über Nacht. Nicht wie ein Wunder. Aber spürbar.


In diesem Artikel erfährst du alles über die therapeutische Anwendung von Cannabis. Was es ist, wie es funktioniert, bei welchen Krankheiten es eingesetzt wird, was die Voraussetzungen sind und was das Ganze kostet.


Am Ende weißt du genau, ob diese Behandlungsform für dich in Frage kommt und wie du sie bekommst.


Keine Mythen. Keine Übertreibungen. Nur Fakten.


Nahaufnahme einer reifen Cannabispflanze mit dichten, harzigen Knospen. Dunkelgrüner Hintergrund, leicht verschwommen.

Was ist medizinisches Cannabis?

Bevor wir tiefer einsteigen, lass uns klären, wovon wir hier überhaupt reden.


Die medizinische Anwendung von Cannabis bedeutet: Die kontrollierte Nutzung von Cannabisprodukten zur Behandlung von Krankheiten oder zur Linderung von Symptomen. Das ist kein Freizeitkonsum. Es ist keine Selbstmedikation. Es ist eine ärztlich überwachte Behandlung mit einem zugelassenen Arzneimittel.


In Deutschland ist die therapeutische Verschreibung seit März 2017 legal. Das bedeutet: Jeder Arzt kann es unter bestimmten Voraussetzungen verordnen. Es gibt keine Liste von Krankheiten, für die Cannabis zwingend erlaubt oder verboten ist. Der Arzt entscheidet individuell, ob die Behandlung sinnvoll ist.


Cannabis wird in verschiedenen Formen angewendet. Die häufigsten sind Cannabisblüten zum Inhalieren über einen Vaporizer, Extrakte als Öle oder Tropfen, und in manchen Fällen auch als Tee. Alle diese Präparate sind verschreibungspflichtig und werden nur in Apotheken abgegeben.


Wichtig zu verstehen: Medizinisches Cannabis ist standardisiert. Das bedeutet, du weißt genau, wie viel THC und CBD enthalten ist. Du bekommst keine unbekannten Substanzen vom Schwarzmarkt, sondern ein geprüftes Arzneimittel.


Mehr zur medizinischen Nutzung findest du in unserem Artikel über Cannabis-Patient werden.


Wie wirkt Cannabis im Körper?

Jetzt wird es etwas wissenschaftlich. Aber keine Sorge, ich halte es einfach.


Cannabis wirkt über das sogenannte Endocannabinoid-System. Das ist ein körpereigenes System, das viele wichtige Funktionen reguliert: Schmerzempfinden, Stimmung, Appetit, Schlaf, Entzündungsreaktionen. Dieses System besteht aus Rezeptoren, die überall im Körper verteilt sind, vor allem im Gehirn, im Nervensystem und im Immunsystem.


Die beiden wichtigsten Rezeptoren sind CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren finden sich hauptsächlich im zentralen Nervensystem und sind verantwortlich für die psychoaktive Wirkung. CB2-Rezeptoren sitzen vor allem im Immunsystem und in peripheren Geweben und spielen eine Rolle bei Entzündungen.


Cannabis enthält über hundert verschiedene Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide. Die beiden wichtigsten sind THC und CBD.


THC: Der psychoaktive Wirkstoff

THC steht für Tetrahydrocannabinol. Das ist der Stoff, der für die berauschende Wirkung verantwortlich ist. In der medizinischen Anwendung hat THC mehrere therapeutische Effekte:


Es wirkt schmerzlindernd. Das ist wichtig bei chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen oder tumorbedingten Schmerzen. THC entspannt die Muskulatur, was bei Spastiken hilft, etwa bei Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen. Es regt den Appetit an, was bei Appetitlosigkeit während einer Chemotherapie oder bei Auszehrung helfen kann. Und es kann Übelkeit reduzieren.


Aber THC hat auch Nebenwirkungen. Bei zu hoher Dosierung kann es Schwindel, Müdigkeit oder Unruhe auslösen. Deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.


CBD: Der nicht berauschende Gegenspieler


CBD steht für Cannabidiol. Im Gegensatz zu THC macht CBD nicht high. Es hat keine psychoaktive Wirkung. Trotzdem ist es therapeutisch sehr interessant.


CBD wirkt entzündungshemmend, was bei chronischen Entzündungen wie Morbus Crohn oder rheumatoider Arthritis helfen kann. Es hat eine angstlösende Wirkung, was bei Angststörungen oder PTSD relevant ist. CBD wirkt krampflösend, deshalb wird es bei Epilepsie eingesetzt. Und es kann die Nebenwirkungen von THC abmildern, etwa Angstzustände oder Herzrasen.


Viele Behandlungen nutzen eine Kombination aus THC und CBD. Das nennt man den Entourage-Effekt: Die Wirkstoffe verstärken sich gegenseitig und gleichen ihre Nachteile aus.


Mehr zur Wirkung findest du in unserem Artikel über Cannabis und Lebensqualität.


Bei welchen Krankheiten kommt die

Behandlung zum Einsatz?

Jetzt wird es praktisch. Bei welchen Erkrankungen wird Cannabis tatsächlich verschrieben?

Wie gesagt gibt es keine offizielle Liste. Aber die Praxis zeigt: Die Verordnung erfolgt vor allem bei chronischen Erkrankungen, bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben.


Chronische Schmerzen

Das ist mit Abstand der häufigste Grund für eine Verschreibung. Chronische Schmerzen können viele Ursachen haben: Rückenschmerzen, Arthrose, Fibromyalgie, Nervenschmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Migräne.


Cannabis wirkt hier auf mehreren Ebenen. THC blockiert die Schmerzweiterleitung im Nervensystem. CBD reduziert Entzündungen, die oft die Ursache von Schmerzen sind. Zusammen können sie die Schmerzintensität deutlich senken, ohne die starken Nebenwirkungen klassischer Schmerzmittel wie Opiate.


Mehr zu Cannabis bei Schmerzen findest du in unserem Artikel über Cannabis bei chronischen Schmerzen – THC & CBD gegen Nervenschmerz


Spastiken und Multiple Sklerose

Bei Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen kommt es oft zu unkontrollierten Muskelkrämpfen, sogenannten Spastiken. Diese sind nicht nur schmerzhaft, sondern schränken die Beweglichkeit massiv ein.


Cannabis, insbesondere THC, entspannt die Muskulatur und reduziert die Häufigkeit und Intensität der Krämpfe. Für viele MS-Patienten ist das ein Gamechanger. Es gibt sogar ein zugelassenes Medikament namens Sativex, das speziell für diese Indikation entwickelt wurde.



ADHS

Das ist ein relativ neues Anwendungsgebiet, aber eines, das immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Menschen mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind leicht ablenkbar und haben Probleme mit der Impulskontrolle.


Cannabis, vor allem Sorten mit einem höheren THC-Gehalt, kann das Dopamin-System beeinflussen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der bei ADHS-Patienten oft im Ungleichgewicht ist. Die Behandlung kann helfen, Fokus und Konzentration zu verbessern, ohne die starken Nebenwirkungen klassischer ADHS-Medikamente wie Ritalin oder Elvanse.


Mehr zu Cannabis bei ADHS findest du in unserem Artikel über Cannabis und ADHS.


Schlafstörungen

Chronische Schlafstörungen sind eine Qual. Du liegst nachts wach, wälzt dich hin und her, und am nächsten Tag bist du völlig gerädert. Schlaftabletten machen oft abhängig oder führen zu einem unnatürlichen Schlaf.


Cannabis, vor allem Indica-dominante Sorten mit höherem CBD-Anteil, kann helfen, schneller einzuschlafen und durchzuschlafen. THC verkürzt die Einschlafzeit, CBD stabilisiert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Wichtig ist hier die richtige Dosierung: Zu viel THC kann paradoxerweise wach machen.


Mehr zur Anwendung bei Schlafproblemen findest du in unserem Artikel über Cannabis bei Schlafstörungen.


Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie

Krebs-Patienten, die eine Chemotherapie durchlaufen, leiden oft unter massiver Übelkeit und Erbrechen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden, weil der Körper keine Nahrung aufnehmen kann.


THC wirkt stark gegen Übelkeit. Es unterdrückt den Brechreiz und kann gleichzeitig den Appetit anregen. Für viele Patienten bedeutet das: Sie können wieder essen, behalten Nahrung bei sich und haben mehr Kraft, die Behandlung durchzustehen.


Angststörungen und PTSD

Das ist ein sensibles Thema, weil Cannabis bei Angststörungen auch das Gegenteil bewirken kann. Zu viel THC kann Angst verstärken. Aber in der richtigen Dosierung, vor allem mit einem höheren CBD-Anteil, kann es angstlösend wirken.


Bei posttraumatischer Belastungsstörung kann die Behandlung helfen, Flashbacks zu reduzieren und den Schlaf zu verbessern. Wichtig ist hier eine sehr individuelle Dosierung und ärztliche Begleitung.



Entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Entzündungen des Darms. Sie verursachen starke Bauchschmerzen, Durchfall und beeinträchtigen die Lebensqualität massiv.


CBD wirkt stark entzündungshemmend. Es kann die Entzündung im Darm reduzieren und die Symptome lindern. Viele Patienten berichten, dass sie weniger Schübe haben und besser essen können.


Makroaufnahme einer mit Trichomen bedeckten Cannabisknospe. Die Knospe ist grün mit orangefarbenen Härchen und sieht frostig aus.

Voraussetzungen für eine Behandlung

Nicht jeder kann einfach zum Arzt gehen und Cannabis verschrieben bekommen. Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen.


Du brauchst eine anerkannte Diagnose

Die therapeutische Anwendung ist keine Erstlinien-Behandlung. Das bedeutet: Du musst eine diagnostizierte Erkrankung haben, die behandlungsbedürftig ist. Das kann eine der oben genannten Erkrankungen sein oder eine andere chronische Erkrankung, bei der der Arzt die Verordnung für sinnvoll hält.


Andere Therapien haben nicht ausreichend geholfen

Das ist ein zentraler Punkt. Cannabis wird normalerweise verschrieben, wenn andere Behandlungen nicht funktioniert haben oder zu starke Nebenwirkungen verursacht haben.

Beispiel: Du hast chronische Rückenschmerzen. Du hast Physiotherapie gemacht, verschiedene Schmerzmittel ausprobiert, vielleicht sogar Opiate genommen. Nichts hat langfristig geholfen oder die Nebenwirkungen waren unerträglich. Jetzt kommt Cannabis als alternative Behandlung in Frage.


Dieser Punkt ist wichtig, weil Krankenkassen bei einem Antrag auf Kostenübernahme genau das prüfen: Wurden andere Therapien versucht? Warum haben sie nicht funktioniert?


Keine schweren Kontraindikationen

Es gibt ein paar Ausschlusskriterien, bei denen Cannabis nicht verschrieben werden sollte:


Schwangerschaft und Stillzeit. Cannabis kann das ungeborene Kind schädigen. Schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder akute Psychosen. THC kann psychotische Symptome verstärken. Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Einzelfällen, weil THC den Puls erhöhen kann. Alter unter 18 Jahren, außer in sehr seltenen Ausnahmefällen mit spezieller Genehmigung.


Wenn du keine dieser Kontraindikationen hast und die anderen Voraussetzungen erfüllst, stehen die Chancen gut, dass du mit der Behandlung beginnen kannst.


So läuft die Behandlung ab

Du hast die Voraussetzungen erfüllt. Dein Arzt ist bereit, Cannabis zu verschreiben. Was passiert jetzt?


Das Arztgespräch

Im ersten Gespräch wird der Arzt deine Krankengeschichte erfragen, bisherige Behandlungen durchgehen und entscheiden, ob medizinisches Cannabis für dich geeignet ist. Er wird auch die verschiedenen Darreichungsformen erklären: Blüten zum Inhalieren, Öle zum Einnehmen, oder in seltenen Fällen Tee.

Wichtig ist, dass du ehrlich bist. Wenn du Cannabis schon mal probiert hast, sag es. Wenn du Bedenken hast, äußere sie. Der Arzt braucht alle Informationen, um die richtige Behandlung festzulegen.


Die erste Verschreibung

Der Arzt stellt ein Rezept aus. Das kann ein Kassenrezept sein, wenn die Krankenkasse die Kosten übernimmt, oder ein Privatrezept, das du selbst bezahlst.


Auf dem Rezept steht, welche Sorte oder welches Präparat du bekommen sollst, in welcher Dosierung und wie oft du es anwenden sollst. Am Anfang wird die Dosierung meist niedrig angesetzt. Das nennt man "Start low, go slow". Du beginnst mit einer kleinen Menge und steigerst langsam, bis du die richtige Dosis für dich gefunden hast.


Die Apotheke

Mit dem Rezept gehst du in eine Apotheke, die Cannabis führt. Nicht alle Apotheken haben es vorrätig, weil die Lagerung speziellen Vorschriften unterliegt. Am besten rufst du vorher an oder nutzt Plattformen wie Weedspot, um zu sehen, welche Apotheke deine Sorte auf Lager hat.


Mehr zu Apotheken findest du in unserem Artikel über Was halten Apotheker:innen von Cannabis als Medizin?.


Die Eingewöhnungsphase

Die ersten Tage und Wochen sind eine Testphase. Dein Körper muss sich an das Cannabis gewöhnen. Du wirst verschiedene Dosierungen ausprobieren und beobachten, wie du reagierst. Führe am besten ein Symptom-Tagebuch: Wie stark sind die Schmerzen? Wie hast du geschlafen? Gab es Nebenwirkungen?


Diese Informationen sind Gold wert für das nächste Arztgespräch. Der Arzt kann die Dosierung anpassen, eine andere Sorte empfehlen oder die Darreichungsform ändern.


Langfristige Behandlung

Wenn die Behandlung funktioniert, bekommst du regelmäßig Folgerezepte. Je nach Arzt kann das monatlich oder vierteljährlich sein. Manche Ärzte bieten auch Dauerrezepte an, bei denen du alle paar Monate nur zur Kontrolle kommst.


Wichtig: Die therapeutische Anwendung ist keine Einbahnstraße. Es kann sein, dass du nach einiger Zeit eine andere Sorte brauchst, weil sich eine Toleranz entwickelt hat. Oder dass sich deine Symptome verändert haben und eine Anpassung nötig ist. Deshalb ist die ärztliche Begleitung so wichtig.


Welche Sorten eignen sich für welche Beschwerden?

Jetzt wird es konkret. Nicht jede Sorte wirkt gleich. Je nach THC- und CBD-Gehalt und je nach Terpenprofil hat Cannabis unterschiedliche Effekte.


Indica, Sativa oder Hybrid?

Das sind die drei Hauptkategorien. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung:


Indica-dominante Sorten wirken eher beruhigend, körperlastig und entspannend. Sie eignen sich gut für Schmerzen, Schlafstörungen und Muskelverspannungen. Typische Indica-Sorten sind Khalifa Kush oder Gossip Gun.


Sativa-dominante Sorten wirken aktivierend, stimmungsaufhellend und fördern die Konzentration. Sie eignen sich eher für ADHS, Depressionen oder Tageskonsum. Typische Sativa-Sorten sind Super Citra G. oder Tangrini.


Hybride kombinieren beide Eigenschaften. Sie sind oft ausgewogener und eignen sich für Patienten, die sowohl Entspannung als auch Wachheit brauchen.


Mehr zu Sorten nach Wirkung findest du in unserem Artikel über Cannabis-Sorten nach Wirkung.


Empfehlungen nach Symptomen

Bei chronischen Schmerzen

Khalifa Kush (32 Prozent THC, Indica-dominant): Stark muskelentspannend, schmerzlindernd, ideal für abendliche Schmerzen.


Gossip Gun (31 Prozent THC, Indica-dominant): Tiefenentspannend, lang anhaltend, besonders beliebt bei Fibromyalgie und Nervenschmerzen.


Bei ADHS

Tangrini (31 Prozent THC, Sativa-dominant): Fokussierend, klar, aufmunternd, ideal für Tageskonsum und Arbeit.


Super Citra G. (35 Prozent THC, Sativa-dominant): Aktivierend, kreativ, euphorisch, perfekt für kreative Arbeit und Motivation.


Bei Schlafstörungen

Midnight Mimosa (30 Prozent THC, Indica-dominant): Gleichmäßig entspannend, lang anhaltend, schlaffördernd.


Peyote Critical (19 bis 23 Prozent THC, Indica-dominant): Sanft beruhigend, nicht zu sedierend, gut für Einsteiger.


Mehr zu Sorten mit hohem THC-Gehalt findest du in unserem Artikel über Cannabis-Sorten mit hohem THC-Gehalt.


Um die Sorten direkt zu bestellen kannst du bei Avaay.de oder Zoiks.com vorbeischauen.


Lila und grüne Cannabispflanze mit Blättern und Blüten. Dunkler Hintergrund, satte Farben.

Was kostet die Behandlung?

Die Kostenfrage ist für die meisten Patienten entscheidend. Und die Antwort ist: Es kommt darauf an.


Wenn die Krankenkasse zahlt

Wenn deine Krankenkasse die Kosten übernimmt, zahlst du nur die gesetzliche Rezeptgebühr. Das sind fünf bis zehn Euro pro Monat. Die eigentlichen Kosten für das Cannabis trägt die Kasse.


Aber: Die Krankenkasse zahlt nicht automatisch. Du musst einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Der Arzt füllt ein Formular aus, in dem er begründet, warum die Behandlung medizinisch notwendig ist. Die Kasse prüft den Antrag und entscheidet dann.

Die Erfolgsquote liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent. Wichtig ist eine gute Begründung: Welche Therapien wurden vorher versucht? Warum haben sie nicht geholfen? Wie stark sind die Symptome?


Die Bearbeitungszeit beträgt normalerweise drei bis fünf Wochen. Bei Palliativpatienten nur drei Tage. Wenn die Kasse nach fünf Wochen nicht geantwortet hat, gilt der Antrag automatisch als genehmigt.


Wenn du selbst zahlst

Wenn die Krankenkasse ablehnt oder du es nicht über die Kasse laufen lassen willst, zahlst du privat. Das nennt man Privatrezept.


Die Kosten variieren je nach Sorte und Menge:

Arztkosten: Zwischen 50 und 150 Euro für die erste Konsultation. Folgerezepte kosten oft weniger, zwischen 30 und 100 Euro.


Cannabis-Kosten: Zehn Gramm kosten etwa 80 bis 150 Euro. Dreißig Gramm kosten etwa 240 bis 450 Euro.


Das bedeutet: Pro Monat kannst du mit 300 bis 600 Euro rechnen, je nachdem wie viel du verbrauchst.


Viele Patienten starten mit einem Privatrezept, weil es schneller verfügbar ist. Später beantragen sie dann die Kostenübernahme bei der Krankenkasse.


Nebenwirkungen und Risiken

Keine Behandlung ist ohne Risiken. Auch Cannabis hat Nebenwirkungen. Wichtig ist, dass du sie kennst und weißt, wie du damit umgehst.


Häufige Nebenwirkungen

Müdigkeit: Vor allem am Anfang oder bei zu hoher Dosierung. Lösung: Dosierung reduzieren oder auf eine andere Tageszeit verlegen.


Schwindel: Kann auftreten, wenn du aufstehst oder dich bewegst. Lösung: Langsam aufstehen, ausreichend trinken.


Mundtrockenheit: Ein häufiges Phänomen, weil Cannabis die Speichelproduktion hemmt. Lösung: Viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons lutschen.


Erhöhter Puls: THC kann den Puls beschleunigen. Lösung: Bei Herzproblemen vorher mit dem Arzt abklären, niedrigere Dosis wählen.


Konzentrationsschwierigkeiten: Paradoxerweise kann Cannabis bei falscher Dosierung auch unkonzentriert machen. Lösung: Dosierung anpassen, eventuell auf CBD-reiche Sorten umsteigen.


Seltene, aber ernstere Nebenwirkungen

Angstzustände oder Paranoia: Kann bei zu viel THC auftreten, vor allem bei Patienten mit Angststörungen. Lösung: Dosierung stark reduzieren, auf CBD-reiche Sorten umsteigen.

Psychotische Symptome: Bei Menschen mit Veranlagung zu Psychosen kann THC Symptome auslösen. Deshalb ist Cannabis bei Schizophrenie kontraindiziert.


Abhängigkeit: Cannabis hat ein gewisses Abhängigkeitspotenzial, vor allem bei Langzeitanwendung. Das Risiko ist geringer als bei Opiaten oder Alkohol, aber es existiert. Lösung: Regelmäßige ärztliche Kontrollen, Pausen einlegen wenn möglich.


Was tun bei Nebenwirkungen?

Wenn Nebenwirkungen auftreten, sprich sofort mit deinem Arzt. Oft reicht es, die Dosierung anzupassen oder auf eine andere Sorte zu wechseln. In manchen Fällen muss die Behandlung abgebrochen werden.


Wichtig: Vermeide es, während der Anwendung Auto zu fahren, wenn du dich beeinträchtigt fühlst. Auch wenn du ein Rezept hast, gilt: Du musst fahrtüchtig sein.


Mehr zu Autofahren findest du in unserem Artikel über Cannabis-Rezept und Autofahren.


Weedspot: Finde die richtige Apotheke

Du hast dein Rezept. Du weißt, welche Sorte du brauchst. Aber wo bekommst du sie?


Nicht jede Apotheke führt Cannabis. Und selbst wenn, haben sie oft nicht die Sorte vorrätig, die du brauchst.


Hier hilft Weedspot. Weedspot ist eine Vergleichsplattform, die dir zeigt:

Welche Apotheke hat welche Sorte auf Lager? Wie sind die Preise? Wie schnell ist die Lieferung? Was sagen andere Patienten über die Apotheke?


Du kannst nach Postleitzahl suchen, nach Sorte filtern und siehst sofort, wo dein Cannabis verfügbar ist. Das spart dir Zeit, Telefonate und Frustration.


Außerdem vergleicht Weedspot auch Online-Ärzte und Telemedizinanbieter, falls du noch kein Rezept hast.



FAQ: Die 10 wichtigsten Fragen

Kann ich medizinisches Cannabis mit anderen Medikamenten kombinieren?

Ja, in den meisten Fällen. Aber es gibt Wechselwirkungen, vor allem mit Beruhigungsmitteln, Antidepressiva und Blutverdünnern. Sprich unbedingt mit deinem Arzt über alle Medikamente, die du nimmst.


Wie lange dauert es, bis die Behandlung wirkt?

Das ist sehr individuell. Manche Patienten spüren eine Wirkung schon nach wenigen Tagen, bei anderen dauert es Wochen. Die volle Wirkung entfaltet sich oft erst nach einem bis drei Monaten, wenn die Dosierung optimiert ist.


Zahlt die private Krankenkasse die Behandlung?

Private Krankenkassen entscheiden individuell. Manche übernehmen die Kosten, andere nicht. Es hängt von deinem Vertrag ab. Am besten stellst du vor Behandlungsbeginn einen Antrag und lässt prüfen, ob deine Kasse zahlt.


Kann ich während der Behandlung Auto fahren?

Das ist rechtlich kompliziert. Grundsätzlich darfst du fahren, solange du nicht akut unter Einfluss stehst. Aber: THC ist noch Tage später im Blut nachweisbar. Mit einem Patientenausweis bist du besser geschützt, aber er garantiert keine Straffreiheit. Fahr nur, wenn du dich wirklich fahrtüchtig fühlst.


Ist die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen möglich?

In seltenen Ausnahmefällen ja, etwa bei schwerer Epilepsie. Aber das erfordert eine spezielle Genehmigung und wird nur bei sehr schweren Erkrankungen gemacht, wenn keine andere Behandlung hilft.


Macht die Behandlung abhängig?

Cannabis hat ein Abhängigkeitspotenzial, aber es ist geringer als bei Opiaten oder Alkohol. Etwa neun Prozent der Konsumenten entwickeln eine Abhängigkeit. Bei medizinischer Anwendung unter ärztlicher Aufsicht ist das Risiko niedriger. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls Therapiepausen.


Was passiert, wenn die Behandlung nicht wirkt?

Dann bricht man sie ab oder passt sie an. Vielleicht brauchst du eine andere Sorte, eine andere Dosierung oder eine andere Darreichungsform. Wenn auch das nicht hilft, ist Cannabis vielleicht nicht die richtige Option für dich. Das ist keine Schande, es funktioniert nicht bei jedem.


Kann ich die Behandlung selbst abbrechen?

Ja, du kannst jederzeit aufhören. Cannabis macht nicht körperlich abhängig wie Opiate. Trotzdem solltest du deinen Arzt informieren, wenn du die Anwendung beenden willst. Er kann dir helfen, den Übergang zu gestalten und alternative Behandlungen zu finden.


Darf ich während der Behandlung arbeiten?

Ja, solange du deine Arbeit sicher ausführen kannst. Wenn du Maschinen bedienst oder ein Fahrzeug führst, musst du besonders vorsichtig sein. Manche Arbeitgeber haben Richtlinien zu Cannabis, auch zu therapeutischem. Informiere dich im Zweifelsfall bei deinem Arbeitgeber oder Betriebsrat.


Wie lange ist ein Rezept gültig?

Ein normales Rezept ist sechs Tage gültig. Das bedeutet, du musst es innerhalb von sechs Tagen in der Apotheke einlösen. Manche Ärzte stellen auch Dauerrezepte aus, die länger gültig sind. Das hängt von der Verschreibungspraxis ab.


Fazit: Eine Option, die es wert ist

Die Behandlung mit Cannabis ist heute eine anerkannte medizinische Option. Für viele Patienten mit chronischen Schmerzen, Spastiken, ADHS oder Schlafstörungen hat sie die Lebensqualität verbessert. Aber sie ist kein Allheilmittel.


Sie funktioniert nicht bei jedem. Sie hat Nebenwirkungen. Sie erfordert Geduld, weil die richtige Dosierung zu finden Zeit braucht. Und sie ist teuer, wenn die Krankenkasse nicht zahlt.


Aber für die, bei denen sie funktioniert, kann sie viel verändern. Weniger Schmerzen. Besserer Schlaf. Mehr Lebensqualität.


Wenn du überlegst, ob diese Behandlungsform für dich in Frage kommt, sprich mit deinem Arzt. Informiere dich. Sei offen für die Möglichkeit, dass es funktioniert, aber auch dafür, dass es vielleicht nicht die richtige Lösung für dich ist.


Medizinisches Cannabis ist eine Option. Eine von vielen. Aber eine, die es wert ist, ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.


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